Corvus Corax:Cantus Buranus

Sie sind Wiederentdecker der Mittelaltermusik in Europa, die Archäologen der Archive, die Pioniere des
mittelalterlichen Instrumentenbaus, aber vor allem „die Könige der Spielleute“ der Neuzeit. Ihre Recherche nach
alten Schriften, Noten und Bauplänen ließ und lässt sie seit 19 Jahren die ganze Welt bereisen.
Corvus Corax überwanden in echter Spielmannsmanier schon vor deren Einsturz die Mauer, zogen ihre Kreise
durch Europa und stießen im Westen auf ebensolches Staunen und Unverständnis wie zuvor im Osten. Eine derart
diesseitige, lebensfrohe Darbietung von Musik des 12. bis 15. Jahrhunderts hatte man im damals meist noch
akademisch organisierten Mittelalterbetrieb noch nicht erlebt. „Indem wir den Alltag der Spielleute am eigenen Leibe
erfuhren, machten wir uns auch die Sichtweise der Spielleute zu eigen und veränderten die Musik entsprechend“,
lautet das Credo der Gruppe. „Mit „CANTUS BURANUS“ gehen wir in dieser Tradition noch einen Schritt weiter.
In ihrer Musik paaren sich dreitausend Jahre auf der Zeitachse menschlichen Schöpfertums und musikalischer
Entwicklungen mit den vielen tausend Kilometern, die Menschen verschiedenster Kulturen und Epochen mit ihren
Instrumenten zurücklegten, um anderen in ihren Liedern von Freud und Leid zu künden.
Aus einem solchen Repertoire schöpfen zu können, ist nicht vielen vergönnt.
2005 gelang der Berliner Gruppe Corvus Corax mit ihrem Orchester-Projekt „CANTUS BURANUS“ etwas
Außerordentliches. Sie rissen die legendäre mittelalterliche Textsammlung Carmina Burana aus der
Umklammerung Carl Orffs und schufen eine völlig neue Vertonung für Dudelsäcke und Trommeln, Sinfonie-
Orchester, Gesangssolisten und Chor.
Antike Überlieferungen, mittelalterliche Musik, Klassik und zeitgenössisches Lebensgefühl wurden mit Wucht
und Leidenschaft zu einer Synthese geführt, die nicht nur viele äußere Grenzen sprengte, sondern auch die
gewohnten Dimensionen aufhob.
Im gleichen Jahr führten Corvus Corax ihre orchestrale Komposition mit großem Erfolg erstmals auf dem
Wacken Open Air und auf der kulturträchtigen Museumsinsel in Berlin auf. Zwei Jahre mit aufregenden Konzerten
folgten, währenddessen arbeiteten die Künstler bereits an der Fortsetzung und im Jahr 2008 wurde Cantus Buranus
2 veröffentlicht. Eine Mischung aus Liedern beider Werke wird seitdem mit grossem Erfolg aufgeführt, die Reise
führte im November 2008 sogar bis nach China.
Es kann gar nicht oft genug betont werden – die Carmina Burana ist keine Schöpfung Carl Orffs. Es handelt
sich dabei um eine Sammlung von Texten aus dem 11. und 12. Jahrhundert, die um 1230 niedergeschrieben wurde.
Über den genauen Ursprung der Texte ist wenig bekannt. Die ursprüngliche Bezeichnung „Codex Buranus“ wurde
erst 1847 in „Carmina Burana“ geändert. Die Lieder geben einen umfassenden Eindruck vom Alltags- und
Geistesleben des Mittelalters wieder. Doch sowie man sich auf die Texte etwas genauer einlässt, wird man
überrascht feststellen, dass das Mittelalter nur einen Steinwurf vom 21. Jahrhundert entfernt ist. Obwohl die
Menschen ihr Dasein damals unter völlig anderen Lebensumständen fristeten, schleppten sie sich mit denselben
Problemen durchs Leben wie heute.
Ein Grund mehr für Corvus Corax, sich auf den umfangreichen Textkörper einzulassen und mit ihrer Reise
durch die Zeiten und Weiten fortzufahren, wobei die Auswahl der Schriften und ihrer Themen die erstaunliche
Aktualität der mittelalterlichen Liedtexte unterstreicht.
Bei der Wahl ihrer kompositorischen Mittel und der Instrumente sind Corvus Corax alles andere als beliebig.
Multikulturelle Hybride um jeden Preis sind nicht ihr Ding. Es geht ihnen um das Zusammenführen von Klängen in
ihrer logischen geographischen und historischen Ausdehnung von der Antike bis in die Gegenwart.
Die Gruppe weiß genau, auf welchen Fundus sie zugreifen kann und schöpfte das Horn bis zur Neige aus. Die
Komposition trägt den Sieg über die Programmatik davon. Die musikalische Umsetzung der Texte wird dadurch
wesentlich dynamischer, Feinheiten werden besser herausgearbeitet, und die unbändige Wucht der Stücke wird
sensibel abgefedert. Der Klang erlangt eine Tiefe und Farbigkeit, die beim ersten Teil des „CANTUS BURANUS“
von 2005 noch undenkbar gewesen wäre. Das Instrumentarium der Gruppe wurde für die neue Aufnahme abermals
erweitert. Neben den bereits angesprochenen neuen Dudelsäcken kommen Taiko-Trommeln hinzu, die den
Horizont des Ensembles noch einmal zeitlich und räumlich ausdehnen, denn Taiko-Trommeln gibt es in der
heutigen Form bereits seit 3000 Jahren. Cantus Buranus – das ist einmal mehr der Ausbruch des Mittelalters aus
der klösterlichen Klausur in den urbanen Alltag von heute. Den Komponisten ist hier ein zeitloses Meisterwerk
gelungen, das als musikalischer Meilenstein auch spätere Generationen in seinen Bann ziehen wird.

Corvus Corax spielen am Freitag den 11.09.2026

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